Fachtierarzt, Zusatzbezeichnung, Diplomate oder Schwerpunkt: Was die Angaben bedeuten
Auf Praxiswebsites und in Verzeichnissen stehen Begriffe wie Fachtierarzt, Zusatzbezeichnung, Diplomate, Tätigkeitsschwerpunkt oder Interessenschwerpunkt nebeneinander. Sie sind nicht gleichbedeutend. Einige beruhen auf geregelter Weiterbildung und formaler Anerkennung, andere beschreiben ein gemeldetes Arbeitsgebiet oder Leistungsangebot.
Fachtierarzt
Eine Fachtierarztbezeichnung weist auf besondere Kenntnisse und Fähigkeiten in einem veterinärmedizinischen Gebiet hin. Voraussetzung ist eine nach der zuständigen Weiterbildungsordnung absolvierte Weiterbildung und die Anerkennung durch die jeweilige Landes- oder Tierärztekammer. Die Tierärztekammer Nordrhein erläutert beispielsweise, dass die Bezeichnung erst nach erfolgreichem Abschluss der vorgeschriebenen Weiterbildung und Anerkennung durch die Kammer geführt werden darf (Tierärztekammer Nordrhein: Fachtierarzt und Zusatzbezeichnung).
Die Bundestierärztekammer stellt eine Muster-Weiterbildungsordnung und Muster-Weiterbildungsgänge bereit, um die Regelungen stärker zu harmonisieren (BTK: Weiterbildung). Verbindlich ist aber die Ordnung der zuständigen Kammer.
Zusatzbezeichnung
Eine Zusatzbezeichnung dokumentiert zusätzlich erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich. Auch sie setzt die in der jeweiligen Weiterbildungsordnung beschriebenen Voraussetzungen und eine Anerkennung der Kammer voraus. Sie ist nicht einfach ein frei gewähltes Schlagwort auf einer Website.
Fachtierarzt und Zusatzbezeichnung haben unterschiedliche Zuschnitte. Welcher Titel für eine Person anerkannt ist, sollte deshalb anhand der vollständigen Bezeichnung und der zuständigen Kammer geprüft werden.
Diplomate und European Veterinary Specialist
Ein Diplomate ist eine Tierärztin oder ein Tierarzt, der ein Diplom eines vom European Board of Veterinary Specialisation anerkannten Colleges erhalten hat. Das EBVS beschreibt einen European Veterinary Specialist als praktizierenden Diplomate, dem das EBVS diesen Titel verliehen hat. Zertifizierte Diplomates dürfen den geschützten Titel führen; der Status ist an fachliche Tätigkeit und regelmäßige Rezertifizierung gebunden (EBVS: Frequently Asked Questions).
Bei amerikanischen College-Angaben ist die zuständige Fachorganisation entscheidend. Das American Board of Veterinary Specialties der AVMA erkennt veterinärmedizinische Fachorganisationen an. Wer deren festgelegte Ausbildungs- und Prüfungsanforderungen erfüllt, erhält ein Diplom und wird als Diplomate des jeweiligen College oder Board bezeichnet (AVMA: Kennzeichnung board-zertifizierter Tierärzte).
Achten Sie bei europäischen und amerikanischen Titeln auf die konkrete College-Abkürzung, das Fachgebiet und den aktuellen Status. Die Bezeichnung „Diplomate“ ohne den zugehörigen Kontext lässt sich schlechter prüfen.
Tätigkeitsschwerpunkt, Interessenschwerpunkt und Leistungsbeschreibung
Begriffe wie Tätigkeitsschwerpunkt, Interessenschwerpunkt oder „wir bieten Kardiologie an“ können hilfreiche Hinweise auf die praktische Ausrichtung einer Person oder Einrichtung sein. Sie sind aber nicht automatisch eine kammerrechtlich anerkannte Fachtierarzt- oder Zusatzbezeichnung.
Für die Auswahl bedeutet das:
- Lesen Sie die genaue Formulierung, nicht nur das Fachwort.
- Prüfen Sie, ob eine Person, ein Team oder nur ein angebotenes Verfahren beschrieben wird.
- Fragen Sie, wer die gewünschte Leistung tatsächlich erbringt.
- Verwechseln Sie eine Verzeichnisrubrik nicht mit dem Nachweis eines geschützten Titels.
Warum es regionale Unterschiede gibt
Berufs- und Weiterbildungsrecht wird von den Landes- oder Tierärztekammern geregelt. Die Bundestierärztekammer ist keine Aufsichtsbehörde der Kammern; ihre Muster können übernommen werden, müssen es aber nicht (BTK: Geltung der Musterordnungen). Titel, Anforderungen und Übergangsregeln können deshalb regional und zeitlich variieren.
Prüfen Sie die aktuelle Weiterbildungsordnung der Kammer, der die betreffende Tierärztin oder der betreffende Tierarzt angehört.
Einen Titel verifizieren
- Notieren Sie den vollständigen Namen und die exakt angegebene Bezeichnung.
- Ermitteln Sie die zuständige Landes- oder Tierärztekammer.
- Suchen Sie in deren Verzeichnis oder fragen Sie die Kammer nach der Anerkennung.
- Bei einem europäischen Diplomate-Titel prüfen Sie College, Fachgebiet und aktuellen Status über das EBVS oder das betreffende College.
- Fragen Sie die Praxis, welche Person die Leistung am Termin übernimmt.
Was „Spezialisierung“ im Verzeichnis bedeutet
Tierarzt-Liste.de führt in der Spezialisierungs-Übersicht Angaben aus gemeldeten Praxis- und Personendaten zusammen. Die Rubrik ist ein Suchfilter. Sie unterscheidet derzeit nicht in jedem Datensatz zuverlässig zwischen formal anerkanntem Titel, praktischem Arbeitsgebiet und angebotener Leistung. Deshalb darf ein Treffer nicht automatisch als Nachweis eines Fachtierarzttitels gelesen werden.
Quellen
- Tierärztekammer Nordrhein: Fachtierarzt und Zusatzbezeichnung
- Bundestierärztekammer: Muster-Weiterbildungsordnung und Weiterbildungsgänge
- Bundestierärztekammer: Rolle und Geltung der Musterordnungen
- European Board of Veterinary Specialisation: Frequently Asked Questions
- American Veterinary Medical Association: Kennzeichnung board-zertifizierter Tierärzte